Meine Story

Ich bin spielbegeistert, medienbegeistert und vor allem reizt mich Lebenslanges Lernen. Deshalb bin ich wohl auch Medienwissenschaftler, Game Designer und Learning Designer geworden…

Magister in „Neuer deutscher Literatur & Medien“ an der Uni Marburg, genau das richtige Studium für mich. Medienwissenschaften mit Schwerpunkt Film- und Fernsehwissenschaften. Sich mit dem beschäftigen, was man als Medienbegeisterter sowieso gerne tut: Filme sehen, Dokus sehen, Bücher lesen – darüber reden, schreiben und bis ins kleinste Detail auseinander nehmen. Mein Steckenpferd – zeithistorische Dokumentationen und die Formalanalyse. Dazu habe ich Stressresistenz im Nebenjob als Küchenhilfe gelernt. Und perfektes Zitieren und das Korrektorat von wissenschaftlichen Reihentiteln in der Druckwerkstatt von Professor Dr. Kaiser. Alles war für eine akademische Karriere, Promotion in die Wege geleitet. Doch dann bekam ich ein Angebot aus Berlin, mich als Game Designer für das „sehnsüchtig erwartete“ PC-Rollenspiel aus Deutschland vorzustellen. Mittwochs der Call, donnerstags das Vorstellungsgespräch und eine Woche später saß ich als storyverantwortlicher Game Designer an Drakensang …

Game Designer bin ich (irgendwie) schon immer gewesen. Erstkontakt mit Pen & Paper Rollenspiel „Das Schwarze Auge: Basis Box“ mit zwölf Jahren, meistens als Spielleiter und schon immer habe ich eigene Geschichten entworfen und Regeln angepasst. Nach DSA kam D&D, AD&D, Shadowrun, Call of Cthulhu und viele mehr. Aber am meisten hat mich letzten Endes Warhammer Fantasy Roleplay fasziniert. Ich habe das Regelwerk modifiziert, angepasst, eigene Regeln entworfen und vor allem die Welt neu gestaltet und die weißen Flecken der Karte mit meinen ganz eigenen Ideen befüllt und jede Woche mit guten Freunden bespielt. Im Studium sagten meine Kommilitonen immer: „Du solltest Dich mehr auf das Studium konzentrieren und weniger Rollenspiele basteln.“ Nun, am Ende wird man erfolgreicher Game Designer, weil man Studium und Hobby zusammen bringt und eine dicke Bewerbungsmappe vorlegt, die zeigt, dass man ein Game Design Dokument mit über 500 Seiten meistern kann …

Drakensang ist mein erster Game Titel für den ich zuerst als Game Designer, nach sieben Monaten als Lead Game Designer und später Voice Over Director verantwortlich war. Und was soll ich sagen, was mit zwölf Jahren angefangen hat, habe ich in meinem Debutgame zu vollem Erfolg umgesetzt. Millionenfach verkauft, heute noch einer der besten PC-Rollenspiele aus Deutschland, eine treue Fanbase und alle Preise, die man gewinnen kann. Darunter der erste „Deutsche Computerspielepreis“ als Bestes Deutsches Spiel 2009.
Persönlich ein Traum, als Storyverantwortlicher mit den Menschen zu arbeiten, die Rollenspiel 1986 durch „Das Schwarze Auge“ für mich aufschlossen. Von Ihnen und vor allem von meiner alten Spielrunde zu hören, dass Drakensang genau das ist, was sich diese Menschen unter einer PC-Adaption des Spiels vorstellen. Als Film- und Fernsehwissenschaftler der absolute Höhepunkt, die Vertonungsregie bei autioberlin in den Hansa Studios am Potsdamer Platz in Berlin mit den besten Synchronsprechern Deutschlands …

Drakensang: Am Fluss der Zeit kam danach und diesmal war ich für die Gesamtstory verantwortlich und als Head of Games noch für vieles mehr. Büro am Alexanderplatz bedeutete in diesen Tagen lange Development Sessions und wenig andere Erinnerungen an 2009 außer ein schwieriges Projekt am Ende erfolgreich durch die Tür zu bekommen. Der Titel bekam zwar Bestnoten und für mich – das Beste Drakensang – dennoch konnten wir an den Erfolg nicht anknüpfen. Vielleicht hätte man einen besseren Zeitpunkt wählen sollen, aber parallel mit dem Spiel kamen drei Blockbuster mit ähnlich langen Spielzeiten heraus. Mitten in der Konzeption von „Drakensang 3: Uthuria“ kam aufgrund der Finanzkrise und damit keiner Möglichkeit ein Projekt in der Größenordnung zu finanzieren, das Aus für die Rollenspielreihe.
Bewerben musste ich mich nicht, ich konnte mir das Studio aussuchen und entschied mich dafür, Lead Level Designer zu werden. Mich lockte die Aussicht auf ein Steampunk-Criminal-Roleplaying Game im Auftrag eines großen japanischen Publishers …

Lead Level Designer in dem supergeheimen Projekt (nicht Fragen) war eine spannende Angelegenheit. Besser als die Geschichte, die zu konzipieren war, war die Erfahrung die ich dort sammeln konnte. Arbeiten in einem internationalen Projekt, arbeiten in der Grenzregion Deutschland – Frankreich. Besonders lehrreich, mit einem japanischen Auftraggeber direkt bei einem Projekt zu kommunizieren. Als Storyteller legendäre Erlebnisse, die pure Inspiration hinterlassen haben.
Und ich konnte in dem Projekt meiner Leidenschaft zu recherchieren voll und ganz nachgehen – Historische-, Medien- und Technikrecherche inbegriffen.
Eine Machbarkeitsstudie in Zusammenarbeit mit der Charité Berlin, wie Serious Games bei Demenzpatienten eingesetz werden können, hatte mich sehr nachdenklich gemacht. Mit Game Design Menschen zu helfen und so meine Fähigkeiten gesellschaftlich einzusetzen, reizte mich immer mehr …

Learning Designer bin ich dann irgendwie auch eher zufällig geworden. Nach dem Projekt mit der Charité und der Geburt meines Sohnes habe ich mir eine Auszeit und vor allem Elternzeit genommen. Nach dieser wollte ich etwas Neues machen. Drei Bewerbungen zum Test des Marktwertes und wie es der Zufall will, ist eine der drei Bewerbungen erfolgreich gewesen und hat mich an die Technische Hochschule Mittelhessen verschlagen. Übrigens zum ersten Mal in dem Fach, das ich studiert habe – als Medienwissenschaftler. Irgendwie bin ich fast zehn Jahre dort geblieben und habe Hochschulentwicklung und Lernentwicklung pilotiert und erforscht. Eine studentische Games Werkstatt und den Verein „My Prof is a Gamer e.V.“ gegründet. Aber vor allem eine Sache getan: Bewiesen, dass man mit einem Studierenden Team eine absolut hochwertige und hochprofessionelle Hochschulplattform bauen kann.

tinyCampus – Dein mobiler Campus, ein wirklich klasse Projekt. Wir haben etwas möglich gemacht, dass als unmöglich galt. Was tolle Kollegen bewirken können, wenn man als Team spielt ist unglaublich. Die Krönung, der 3. Platz beim „delina – Innovationspreis für digitale Bildung“ und eines der Leutturmprojekte des „Qualitätspakts Lehre“ – also eines der besten Projekte unter annähernd Tausend. Damit habe ich in beiden Disziplinen alles erreicht. Es war Zeit etwas Eigenes zu machen.

Development Director in der Buntspecht & Rabe Softwaremanufaktur GmbH, die Freiheit, dass zu tun, was man schon immer tun wollte – eigene Spielideen umsetzen, Serious Games machen, Menschen für das Lebenslange Lernen zu begeistern und an der Hochschule als Coach und Trainer Ansprechpartner der Studierenden zu sein ist mein aktueller Job und ich liebe ihn …

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Folge 4: Serious Game Design – ernsthaft, Fabian Rudzinski?